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Spendenparlament Reutlingen

Sozialpaten für Azubis gesucht

Reutlinger Generalanzeiger, 23.11.2011. Von Norbert Leister

REUTLINGEN-BETZINGEN. Die Zahl der Jugendlichen nicht allein mit schulischen, sondern auch mit sozialen Defiziten und psychischen Problemen wie etwa Depressionen nimmt zu, sagt Manfred König. Diese Entwicklung müsse auch in Zusammenhang mit den niedrigen Löhnen vieler Eltern gesehen werden, betont der Geschäftsführer der Reutlinger Beschäftigungsinitiative Pro Labore. Väter und Mütter hätten oft zwei oder noch mehr Jobs, um über die Runden zu kommen. »Da bleibt oft keine Zeit für die Kinder.«


Der Reutlinger Geschäftsführer von Pro Labore, Manfred König, hofft auf Sozialpaten für benachteiligte Jugendliche. FOTO: Norbert Leister

Der Nachwuchs habe dann bisweilen erhebliche Probleme und deshalb oft keine Aussicht auf eine Ausbildungsstelle.

Manche der Jugendlichen landen schließlich bei Pro Labore, werden über Jugendamt oder Schulsozialarbeit vermittelt. Manfred König und sein Team versuchen, den jungen Menschen weiter zu helfen. »Wir schauen erst mal, wo ihre Interessen liegen.« Entweder schnuppern die Jugendlichen in die handwerklichen Bereiche von Pro Labore selbst hinein oder aber sie werden zwecks Praktika in anderen Betrieben vermittelt. Daraus ergeben sich häufig weiterführende Ausbildungen – im vergangenen und diesem Jahr hat »ProLa« derart insgesamt sechs Jugendliche als Azubis untergebracht.

6000 Euro vom Spendenparlament

»Wenn sie aber keine weitere Begleitung, Nachhilfe und Betreuung bekommen, schaffen sie die Ausbildung nicht«, weiß König. Wöchentlich zwei Stunden zusätzlich Mathe-Unterstützung und vier Stunden Hilfe bei persönlichen, ganz alltäglichen Problemen sind notwendig, um die Jugendlichen zu stützen.

Vom Reutlinger Spendenparlament hat die gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft vor wenigen Tagen rund 6000 Euro für diesen Zweck erhalten. Das reicht aber nicht aus, König muss versuchen rund 2500 Euro aus anderen Töpfen zu erhalten.

Pro Labore baut aber noch auf ein weiteres Projekt: »Zur Zeit bilden wir selbst zwölf Jugendliche aus«, berichtet Manfred König. Die Kapazitäten würden sogar für 18 Azubis reichen, »dafür werden wir aber vom Jobcenter kaum das notwendige Geld bekommen«. Zumal die Art der Finanzierung über Bildungsgutscheine eine Vereinbarung mit dem Reutlinger Jobcenter ist, die bundesweit als einzigartig gilt. Es gibt aber genug junge Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Aussicht auf Lehrstelle haben, »deshalb suchen wir nun Paten, die Jugendlichen eine Ausbildung ermöglichen«, betont Manfred König.

600 Euro im Monat kostet die Begleitung und Betreuung eines jungen Azubis bei Pro Labore. Mit zwölf Paten, die monatlich 50 Euro geben würden, könnte einem Jugendlichen eine Perspektive für sein ganzes weiteres Leben gegeben werden. Möglich seien laut König aber auch einmalige Spenden oder ein monatlich geringerer Betrag. Informationen über den Fortschritt des Azubis, auch der persönliche Kontakt wären möglich.

Drastische Kürzungen

Während der Bereich der Azubi-Förderung bei »ProLa« zumindest zufriedenstellend verläuft, ist das Feld der Arbeitsgelegenheiten (die sogenannten Ein-Euro-Jobs) eingebrochen: Nicht allein die Gelder für diese Maßnahme für Langzeitarbeitslose wird 2011 und 2012 um insgesamt 36 Prozent gekürzt, sondern die Dauer der Maßnahme ebenfalls: »von 18 auf maximal 12 Monate«. Ein Skandal sei das, betont König. Denn: »Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat ja trotz geringerer Arbeitslosigkeit nicht ab-, sondern zugenommen.«

Darum seien diese Streichungen völlig kontraproduktiv, denn: »Ich könnte aus einem 50-Jährigen noch einen guten Schreinerhelfer machen«, betont Manfred König. Aufgrund fehlender Mittel müssten diese Menschen aber ihr Dasein als Hartz-IV-Empfänger fristen. (GEA)

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